Re-Issued::: Go! Back With The Times

[m] Der Schreck ist mir schon ein wenig durch die Glieder gefahren, als ich nach Erhalt des Pakets mit der Platte zunächst aus Zeitgründen die CD im Auto angehört habe. Ob es nun an der im Fahrzeug befindlichen und ansonsten tadellos funktionierenden Anlage lag oder nicht, weiß ich nicht. Aber der Sound klang dermaßen dünn und nach "Kitchen-Demo", dass der erste Hördurchgang alles, nur keinen Spaß machte. Eine zweite Runde gab es dann im Auto auch nicht mehr. Glücklicherweise stellte sich bald heraus, dass die Vinylplatte auf der heimischen Stereoanlage deutlich, um nicht zu sagen DEUTLICH besser klang, ohne natürlich den ungekünstelten Charme des zeitlichen und damit klanglichen Kontextes zu verlassen. Normalerweise halte ich nicht viel von den Schwanzvergleichen von CD und Vinyl, aber in diesem Fall liegt die Vinylversion meilenweit in Front. Und ich bin sicher kein Klangpedant. Vielleicht muß ich mir die CD auch nochmal ins Wohnzimmer holen, um der Fairness halber den Vergleich zu komplettieren. Aber darum allein soll es hier ja nicht gehen...


Wie man darauf kommt, retrospektiv zwei frühe Alben einer Band wie The Times neu aufzulegen, weiß ich nicht. Jedenfalls bin ich froh, das es mit Tapete Records ein Label gibt, welches sich an solche Abenteuer wagt. Und wenn ich es recht überblicke haben hier auch wieder Bernd Begemann und vermutlich auch Carsten Friedrichs ihre Finger im Spiel. Ein mittlerweile eingespieltes Team im Ausgraben wertvoller, aber mehr oder weniger in Vergessenheit geratener Kleinode unabhängiger Musikkultur. Im Original sind das hier vorgestellte Werk "Go! With The Times" und das zweite neu veröffentlichte Album "This Is London" auch nur schwerlich zu bekommen. Sehen wir es also mal als einen Beitrag zur musikalischen Zeitgeschichte des auslaufenden Modrevivals und dem was man kurze Zeit später Indie nannte...

The Times selbst waren mir eigentlich nur über diverse Modrevival-Samplerbeiträge wie beispielsweise "I Helped Patrick McGoohan Escape", "(There's a) Cloud Over Liverpool" (beide Titel wurden auch schon unter dem Namen der Vorläufer- u. Nachfolgeband Teenage Filmstars veröffentlicht..), "Whatever Happened To Thames Beat" oder "Biff Bang Pow" bekannt. Alles durchweg gute Songs, bzw. Interpretationen, die gut in die Zeit passten. Alleine Mastermind und wohl einzig permanentes Mitglied "Ed" Ball  garantiert schon aufgrund seiner musikalischen Vita für gute Musik. Sei es als Mitglied der prägenden Postpunk-Band TV Personalities oder auch als Mitarbeiter des nicht gerade unwichtigen Creation-Labels...

Sollte man sich zwischen eine der beiden Re-Issues entscheiden müssen, wählt man entweder die Scheibe mit dem relativ ausproduziertem und eingängigerem Sound, also "This Is London", oder man greift zur substantielleren, ungestümeren Ausgabe "Go! With The Times". Idealerweise schnappt man bei beiden Teilen zu. Und zwar zügig, denn ich befürchte für den Zugriff auf die beiden Vinylausgaben hat der geneigte Hörer/Sammler nur ein kleines Zeitfenster zur Verfügung...


















Kommentare

  1. Ja, die hatten wirklich tolle Songs, die herrlich rückwärtsgewandt teilweise auch stark an die Beatles erinnerten. Seltsam, dass man nicht das Debut "Pop goes art" als Beginn einer kleinen Serie gewählt hat, so hat Tapete tatsächlich das zweite und das vierte Album wieder zugänglich gemacht. Ich rate im Zweifel zu "This is London", schon wegen dem phantastischen Titelstück und dem nicht minder wunderbaren "(There's A) Cloud Over Liverpool".
    Gruß nach Lünen
    Paulchen

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